Der Vergleich mit der BBC ist für ARD und ZDF unangenehm. Und genau deshalb ist er notwendig. Denn er zeigt, dass öffentlich-rechtlicher Rundfunk sehr wohl funktionieren kann, wenn Auftrag, Verantwortung und Konsequenz zusammenkommen. Das Problem ist also nicht das Modell. Das Problem ist seine deutsche Ausprägung.
Die BBC versteht sich bis heute als Dienstleister für ein heterogenes Publikum – nicht als pädagogische Instanz. Ihre Legitimation entsteht nicht durch moralische Selbstzuschreibung, sondern durch Leistung. Programme müssen überzeugen, Formate müssen erneuert werden, Personal steht unter öffentlicher Beobachtung. Fehler bleiben nicht folgenlos. Genau dieser Mechanismus fehlt bei ARD und ZDF nahezu vollständig.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Kultur der Verantwortung. Bei der BBC sind Budgets, Gehälter und Programmentscheidungen regelmäßig Gegenstand öffentlicher Debatten – und realer Konsequenzen. Intendanten und Redaktionsleiter wissen, dass sie nicht nur verwalten, sondern rechtfertigen müssen. In Deutschland hingegen ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk in ein Geflecht aus Rundfunkräten, Parteienproporz und föderaler Zersplitterung eingebettet, das Verantwortung verdünnt, bis sie praktisch nicht mehr greifbar ist. Niemand ist zuständig, also bleibt alles, wie es ist.
Auch programmatisch zeigt sich der Unterschied deutlich. Die BBC investiert konsequent in Inhalte mit internationaler Strahlkraft: hochwertige Serien, Dokumentationen, investigative Formate, Wissenschaft, Geschichte. Nicht alles ist ein Treffer, aber der Anspruch ist klar: Relevanz vor Selbstbestätigung. ARD und ZDF dagegen produzieren vor allem für sich selbst. Viele Formate wirken wie interne Rituale eines Milieus, das sich längst vom Alltag eines großen Teils der Bevölkerung entfernt hat. Innovation wird simuliert, nicht riskiert.
Besonders entlarvend ist der Umgang mit Unterhaltung. Die BBC behandelt Unterhaltung als ernstzunehmendes Genre, das Können, Mut und Zeitgeist verlangt. In Deutschland hingegen gilt Unterhaltung im öffentlich-rechtlichen System entweder als peinliche Pflicht oder als moralisch zu beaufsichtigende Gefahrenzone. Das Ergebnis sind Formate, die niemanden begeistern, aber niemanden verärgern sollen – und genau deshalb beides tun.
Ein weiterer Punkt: Publikumsrespekt. Die BBC traut ihrem Publikum etwas zu. Ironie, Ambivalenz, Mehrdeutigkeit sind erlaubt. ARD und ZDF hingegen neigen zunehmend zur didaktischen Vereinfachung. Inhalte werden erklärt, eingeordnet, moralisch gerahmt, bis jede Reibung verschwindet. Der Zuschauer wird nicht ernst genommen, sondern angeleitet. Das erzeugt Distanz – und irgendwann Ablehnung.
Der oft vorgebrachte Einwand, die BBC stehe unter größerem politischen Druck, greift zu kurz. Gerade dieser Druck zwingt sie zur Qualität. In Deutschland schützt die Gebührenfinanzierung nicht vor politischem Einfluss, sondern vor Leistungsdruck. Sie garantiert Einnahmen, unabhängig davon, ob das Produkt überzeugt. Das ist bequem – und tödlich für Kreativität.
Der Vergleich zeigt also etwas sehr Klareres, als es den Verantwortlichen lieb ist:
Es geht anders. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk kann relevant, modern, vielfältig und gesellschaftlich verbindend sein. Aber nur, wenn er sich als Verpflichtung versteht – nicht als Besitzstand.
ARD und ZDF leiden nicht an zu wenig Geld, sondern an zu wenig Konsequenz.
Nicht an zu wenig Talent, sondern an zu viel Selbstzufriedenheit.
Nicht an einem falschen Auftrag, sondern an seiner systematischen Missachtung.
Die BBC ist kein Ideal, aber ein Beweis.
Der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk ist kein Opfer, sondern ein Versäumnis.
Und solange man in den Chefetagen lieber Reformpapiere schreibt als Programme erneuert, wird sich daran nichts ändern – egal, wie viele Silvester-Flops noch folgen.

Der Zuschauerzorn nach den Silvester-Flops von ARD und ZDF ist kein Stimmungsproblem. Er ist ein Symptom. Und zwar eines Systems, das seinen Auftrag nicht mehr ernst nimmt, aber weiter auf seiner Finanzierung besteht. Wenn Millionen Menschen zum Jahreswechsel einschalten und das Gefühl haben, Zeit und Geld zugleich verloren zu haben, dann liegt das Problem nicht beim Publikum, sondern bei denen, die den Programmauftrag verwalten.
Bärbel Bas ist kein Betriebsunfall der deutschen Politik, sie ist ihr logisches Produkt. Ihr Aufstieg folgt einem Muster, das sich seit Jahren durch die Parteienlandschaft zieht: nicht durch intellektuelle Brillanz, nicht durch fachliche Exzellenz, sondern durch Verlässlichkeit im Apparat. Sie steht für einen Politikertypus, der nicht gestaltet, sondern verwaltet, nicht hinterfragt, sondern absichert. Das mag im Parteibetrieb als Tugend gelten – für die Führung eines Ministeriums mit dem größten Ausgabenblock des Bundeshaushalts ist es ein strukturelles Problem.
Der Berliner Ukraine-Gipfel wird als Beweis einer neuen europäischen Machtordnung gefeiert. Und ja: Zum ersten Mal seit Langem zeigt Europa außenpolitisch so etwas wie Handlungsfähigkeit. Die sogenannten E3 – Deutschland, Frankreich, Großbritannien – koordinieren, moderieren, treiben an. Sie sprechen mit einer Stimme, setzen Themen, halten die Ukraine politisch, finanziell und diplomatisch im Spiel. Das ist kein kleines Detail, das ist ein Fortschritt. Aber es ist ein Fortschritt aus der Not – nicht aus Stärke.