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FAKTEN & FOLGEN
Unabhängig. Kritisch. Mit Folgen.

Wir berichten nicht, was geschehen ist – das tun andere. Uns interessiert, warum es geschehen konnte, was vielleicht schon lange vorher erkennbar war und welche Folgen daraus entstehen.

An Nachrichten herrscht wahrlich kein Mangel. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen werden wir damit versorgt, inzwischen sogar auf Geräten, von denen wir vor einigen Jahren noch gar nicht wussten, dass wir sie einmal brauchen würden. Was gestern noch eine Nachricht war, ist heute bereits Geschichte, und morgen erinnert sich kaum jemand daran. Dabei beginnt es häufig gerade dort interessant zu werden. Was ist aus den großen Ankündigungen geworden, wer hat seine Versprechen gehalten, wer erinnert sich plötzlich nicht mehr daran und welche Folgen hatte eine Entscheidung, nachdem Kameras und Mikrofone längst wieder eingepackt waren? Genau deshalb gibt es Fakten & Folgen. Wir wollen nicht noch einmal erzählen, was andere bereits berichtet haben. Wir wollen genauer hinsehen und uns vor allem die Freiheit nehmen, unsere eigenen Schlüsse daraus zu ziehen.

Dabei ist uns ziemlich gleichgültig, aus welcher politischen Ecke eine vernünftige Idee kommt. Sie wird nicht dadurch falsch, dass der Falsche sie ausspricht. Umgekehrt wird Unsinn nicht dadurch vernünftig, dass er von einer Partei, einer Regierung, einem Ministerium, einem Vorstandsvorsitzenden oder einem sogenannten Experten kommt, dem man gewöhnlich Vertrauen entgegenbringt. Gerade diese merkwürdige Einteilung in politische Mannschaften, bei denen man offenbar das gesamte Programm einschließlich aller Irrtümer übernehmen soll, sobald man sich einmal für eine Seite entschieden hat, halten wir für wenig hilfreich.

Wir sind deshalb weder rechts noch links und schon gar nicht einer Partei verpflichtet. Wenn Friedrich Merz etwas Vernünftiges sagt, darf man ihm zustimmen, ohne CDU-Mitglied werden zu müssen. Wenn ein Politiker der AfD auf einen tatsächlichen Missstand hinweist, verschwindet dieser Missstand nicht dadurch, dass man den Überbringer der Nachricht für politisch unerträglich hält. Dasselbe gilt selbstverständlich umgekehrt. Auch eine Regierung, die wir an einer Stelle kritisieren, kann an anderer Stelle richtig handeln. Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein. Inzwischen scheint man es gelegentlich erklären zu müssen.

Besonders skeptisch werden wir immer dann, wenn alle Beteiligten plötzlich derselben Meinung sind und die Sache möglichst nicht mehr diskutiert werden soll. Das Wort „alternativlos“ hat dabei einen besonderen Reiz. Meistens lohnt es sich spätestens dann, nach der Alternative zu suchen. Politik, Behörden, Unternehmen, Verbände und auch Medien haben ihre eigenen Interessen, Zwänge und manchmal schlicht ihre eigenen Fehler. Das ist zunächst nichts Verwerfliches. Problematisch wird es erst, wenn aus Interessen Wahrheiten werden sollen und Kritik daran als störend empfunden wird.

Wir werden deshalb auch weiterhin alte Aussagen hervorkramen, wenn sie nicht mehr zu den neuen passen. Wir werden Zahlen ansehen, wenn eine Schlagzeile etwas anderes vermuten lässt, und gelegentlich nachrechnen. Vor allem werden wir uns erlauben, bei Entwicklungen, die angeblich niemand vorhersehen konnte, nachzusehen, ob sie nicht vielleicht doch vorhersehbar waren. Erstaunlich häufig stellt sich dann heraus, dass das Unvorhersehbare seit Monaten in Statistiken, Umfragen, Geschäftsberichten oder früheren Presseartikeln nachzulesen war.

Das gilt ebenso für die Medien selbst. Ohne Journalismus gäbe es viele der Informationen nicht, mit denen wir hier arbeiten. Wir bedienen uns ganz bewusst unterschiedlicher Quellen, von öffentlich-rechtlichen Angeboten über große Tageszeitungen und Magazine bis zu Medien, deren politische Ausrichtung deutlich erkennbar ist. Entscheidend ist nicht, ob uns die Redaktion gefällt, sondern ob eine Information belastbar ist. Gerade der Vergleich verschiedener Darstellungen ist oft aufschlussreicher als der einzelne Artikel. Manchmal fragt man sich hinterher allerdings, ob alle über dasselbe Ereignis berichtet haben.

Fakten & Folgen soll dabei keine Empörungsmaschine werden. Davon gibt es bereits genügend. Nicht jeder politische Fehler ist ein Skandal, nicht jede ungeschickte Äußerung eine Staatskrise und nicht jeder Unsinn verdient drei Tage öffentliche Erregung. Uns interessieren die Vorgänge, hinter denen mehr steckt: politische Entscheidungen und ihre Nebenwirkungen, wirtschaftliche Entwicklungen, gesellschaftliche Veränderungen, technische Umbrüche und gelegentlich auch eine kleine Geschichte, an der sich ein viel größeres Problem wunderbar erkennen lässt.

Dass wir dabei ironisch und manchmal ziemlich bissig werden, ist beabsichtigt. Es gibt Vorgänge, die sich einer vernünftigen Betrachtung fast entziehen und bei denen Humor mehr Klarheit schafft als eine Seite voller staatstragender Formulierungen. Eine Karikatur darf deshalb bei uns manchmal böser sein als der dazugehörige Artikel. Nur sollte die Reihenfolge stimmen: Erst sehen wir nach, was tatsächlich passiert ist. Danach können wir uns darüber lustig machen.

Auch künstliche Intelligenz gehört inzwischen zu dieser Arbeit. Es wäre einigermaßen albern, ihre gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen ständig zu untersuchen und sie bei der eigenen Recherche demonstrativ nicht zu benutzen. Wir setzen KI ein, um Informationen zu finden, Quellen miteinander zu vergleichen, große Datenmengen schneller auszuwerten und manchmal auch, um die eigene Argumentation auf Schwachstellen abzuklopfen. Wer glaubt, eine Maschine könne deshalb das Denken übernehmen, hat allerdings weder die Maschine noch das Denken verstanden. Die Verantwortung für das, was hier veröffentlicht wird, lässt sich nicht an einen Algorithmus delegieren. Sie bleibt bei uns.

Das schließt Irrtümer ausdrücklich ein. Wir werden welche machen. Jeder, der regelmäßig eine klare Meinung veröffentlicht, wird irgendwann feststellen, dass eine Einschätzung falsch war, eine Quelle nicht hielt, was sie versprach, oder neue Fakten eine alte Bewertung verändern. Dann muss man das korrigieren können, ohne sich einen Zacken aus der Krone zu brechen. Wer uns sachlich auf einen Fehler hinweist und ihn belegen kann, ist deshalb kein lästiger Kritiker. Er trägt dazu bei, dass der nächste Text besser wird. Mit Widerspruch können wir leben. Mit Denkverboten weniger.

Vielleicht ist das ohnehin der wichtigste Punkt. Wir halten den Bürger für erwachsen. Er braucht Informationen, unterschiedliche Sichtweisen und möglichst nachvollziehbare Fakten. Was er daraus macht, ist seine Sache. Wir möchten niemandem erklären, was er wählen, glauben oder für moralisch zulässig halten soll. Eine Demokratie, die nur funktioniert, solange die Bürger die erwarteten Antworten geben, wäre eine ziemlich merkwürdige Demokratie.

Deshalb werden hier auch Meinungen stehen, denen man widersprechen kann. Das ist kein Betriebsunfall, sondern Absicht. Wer nur lesen möchte, was seine vorhandene Überzeugung bestätigt, findet dafür im Internet genügend Möglichkeiten. Uns interessiert eher der Moment, in dem man einen Satz liest und zunächst denkt: Das kann doch nicht sein. Wenn man danach anfängt nachzudenken, haben wir schon einiges erreicht.

Der Name Fakten & Folgen ist dabei nicht zufällig entstanden. Die Nachricht des Tages ist häufig nur der sichtbare Anfang einer Entwicklung. Eine politische Entscheidung verändert Verhalten, eine neue Vorschrift erzeugt Nebenwirkungen, wirtschaftliche Fehlentscheidungen werden Jahre später teuer, und manches Problem, das plötzlich alle überrascht, hat eine Vorgeschichte, die niemand mehr erwähnen möchte. Wir wollen diese Verbindung herstellen, zurückblicken, vergleichen und gelegentlich auch weiterdenken, als es die aktuelle Schlagzeile verlangt.

Wir werden dabei nicht immer recht haben. Wir werden sicherlich auch nicht jedem gefallen. Beides können wir aushalten.

Was wir nicht wollen, ist betreutes Denken.

Fakten liefern andere reichlich. Uns interessieren auch die Folgen.

Norbert K.-P. Janus
Fakten & Folgen

 

  • Beitragsart: Manifest
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